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Flexibilität durch BYOC (Bring Your Own Carrier)

von Holger Schäfer

Mehr Flexibilität für Ihre Cloud-Telefonanlage dank BYOC (Bring Your Own Carrier)

Mit der Abschaltung der analogen und ISDN-basierten Telefonnetze und der Verfügbarkeit moderner, leistungsfähiger VoIP- und Cloud-Lösungen stellen mehr und mehr Unternehmen ihre Telefoninfrastruktur auf Cloud-Telefonie um. Klassische Telefonanlagen werden ausgemustert und durch Telefonanlagen aus der Cloud ersetzt. In der Vergangenheit erforderte die Umstellung auf eine Cloud-Telefonanlage häufig den vollständigen Wechsel mit allen Telefondiensten zum Cloud-Anbieter. Diese Abhängigkeit von einem einzigen Provider ist vielen Unternehmen ein Dorn im Auge. Abhilfe und mehr Flexibilität verspricht das Konzept Bring Your Own Carrier“ (BYOC). Was sich hinter BYOC verbirgt, wie es funktioniert, welche Rolle der SIP-Trunk spielt, was die Vorteile sind und wann das Konzept Sinn ergibt, verrät Ihnen folgender Beitrag.

Herausforderungen bei der Umstellung auf eine Cloud-Telefonanlage

Die Vorteile einer Cloud-Telefonanlage und des Telefonierens per Voice over IP sind unbestritten. Nicht verschwiegen werden darf aber, dass es bei der Umstellung auf Cloud-Telefonie und beim Wechsel von einer klassischen Telefonanlage auf eine Cloud-Telefonanlage einige Herausforderungen zu bewältigen gilt. Oft sieht die Migration zur Cloud-Telefonie so aus, dass auf ein Cloud-Komplettpaket eines einzigen Anbieters umgestellt wird. Dieser Anbieter stellt die Cloud-Telefonanlage als Dienst zur Verfügung, implementiert die Unified-Communications- und Computer-Telephony-Integration-Funktionen und realisiert die Verbindungen in das öffentliche Telefonnetz. So entsteht bei der Telefonie hinsichtlich Technik, Funktionen und Tarifen eine Abhängigkeit von einem einzelnen Provider. Mangelnde Flexibilität ist die Folge. Nicht jedes Unternehmen, das auf Cloud-Telefonie umstellt, möchte aber vollständig auf Dienste seiner bisherigen Carrier verzichten. Viele sind mit ihrem Festnetzanbieter und den vorhandenen Verträgen, Rufnummern und Tarifen zufrieden. Beispielsweise hat der Festnetzanbieter besonders günstige Tarife, eine außergewöhnlich hohe Sprachqualität oder stellt länderspezifische Leistungen bereit. Abhilfe verspricht das Konzept Bring Your Own Carrier. Es sorgt für die gewünschte Flexibilität und macht Unternehmen unabhängiger.

Definition: Was verbirgt sich hinter dem Konzept Bring Your Own Carrier (BYOC)?

Mittlerweile existieren im IT-Umfeld viele Konzepte, die mit dem Kürzel „BYO…“ beginnen. Es steht für die englischen Wörter „Bring Your Own…“. Mit der Übersetzung dieser Wörter erschließt sich schnell die Bedeutung von Konzepten wie Bring Your Own Device (BYOD), Bring Your Own Encryption (BYOE), Bring Your Own Key (BYOK) oder eben von Bring Your Own Carrier (BYOC). Bring Your Own Carrier meint wörtlich übersetzt „Bring deinen eigenen Carrier mit“. Bezogen auf die Cloud-Telefonie und die Umstellung auf eine Cloud-Telefonanlage erlaubt BYOC einem Unternehmen, die Telefonanlagendienste und Funktionen eines Cloud-Anbieters in Anspruch zu nehmen, gleichzeitig aber Telefon-Carrier eigener Wahl einzusetzen. Die Cloud-Telefonanlage ist nicht mehr als Komplettpaket eines einzigen Dienstleisters gebucht, sondern lässt sich flexibel mit beliebigen, per SIP-Trunk angebundenen Carriern betreiben. Das Unternehmen verlässt sich nicht mehr nur auf eine Paketlösung eines einzelnen Anbieters, sondern behält durch die freie Wahl des Festnetzanbieters die Kontrolle über Kosten, Funktionen und Qualität der ein- und ausgehenden Gespräche.

Wie funktioniert Bring Your Own Carrier und was hat der SIP-Trunk damit zu tun?

Eine entscheidende Rolle für die technische Realisierung des Konzepts Bring Your Own Carrier spielt der SIP-Trunk. Bei einem SIP-Trunk handelt es sich im Prinzip um die digitale VoIP-Variante des guten alten Telefonanlagenanschlusses, wie er beispielsweise im ISDN-Netz zum Einsatz kam. Mit einem SIP-Trunk lässt sich eine VoIP-fähige Telefonanlage oder eine Cloud-Telefonanlage per IP-Netz, zum Beispiel per Internet, und Session Initiation Protocol (SIP) mit einem Telefonanbieter koppeln. Der  SIP-Trunk  überträgt die ein- und ausgehenden Gespräche gebündelt.

Bietet eine Cloud-Telefonanlage die Möglichkeit von Bring Your Own Carrier, unterstützt sie den Anschluss verschiedener Telefondienstanbieter per SIP-Trunk. Das auf Cloud-Telefonie migrierende Unternehmen legt fest, über welche Carrier die Cloud-Telefonanlage die Telefongespräche abwickeln soll. Was die genutzten Telefonnummern und Tarife angeht, kann nach der Umstellung auf die Cloud-Telefonanlage im Prinzip alles beim Alten bleiben, da der Carrier nicht wechselt. Technisch bieten sich zahlreiche weitere Möglichkeiten zur Umsetzung von Bring Your Own Carrier wie hybride Lösungen mit dem Parallelbetrieb von lokalen und cloudbasierten Telefonanlagen. Alle technischen Varianten der Realisierung des BYOC-Konzepts zu erläutern, würde allerdings den Rahmen dieses Beitrags sprengen.

Welche Vorteile bietet Bring Your Own Carrier für die Migration auf eine Cloud-Telefonanlage?

Für die Migration auf eine Cloud-Telefonanlage bietet Bring Your Own Carrier eine Vielzahl an Vorteilen. Unternehmen profitieren durch die freie Wahl des Carriers von größtmöglicher Flexibilität und machen sich nicht von einem einzigen Anbieter abhängig. Es entsteht eine riesige Auswahl an Möglichkeiten, Verträge, Tarife, Verbindungsoptionen und Rufnummern in die Cloud-Lösung zu integrieren. Die Migration auf die VoIP-Telefonie und Cloud-Telefonanlage lässt sich bei voller Kontrolle über die Kommunikationsstrategie wesentlich sanfter und risikofreier gestalten. Unter Umständen machen strenge Datenschutzvorgaben oder Compliance-Richtlinien in einzelnen Länder die Wahl bestimmter Carrier sogar notwendig. Ein weiterer Vorteil der freien Wahl des Carriers ist, dass sich die Verfügbarkeit der Telefonservices durch Redundanz und den Einsatz mehrerer Telefonanbieter verbessert. Ebenfalls Vorteile von BYOC sind:

  • Weiternutzung bestehender Verträge und Tarife
  • Vermeidung von Strafzahlungen durch vorzeitige Kündigung der Verträge bei der Migration
  • keine aufwendigen Rufnummernportierungen bei Beibehaltung des Carriers
  • Loyalität und Aufrechterhaltung der guten Geschäftsbeziehungen zu einem bestimmten Carrier
  • Weiterführung der bisherigen Prozesse (zum Beispiels Abrechnungsprozesse) mit einem bestimmen Carrier
  • Möglichkeit des Betriebs von Hybridlösungen während oder nach der Migration
  • Senkung der Kosten durch die Konkurrenzsituation der Anbieter
  • mehr Kontrolle über ein- und ausgehende Verbindungen
  • Carrier mit besonders hohem Qualitäts- und Sicherheitsstandard wählbar
  • mehr Optionen in der Rufnummernzuteilung und -verwaltung
  • mehr Skalierungsmöglichkeiten
  • optimale globale Abdeckung

Für welche Unternehmen und in welche Szenarien macht Bring Your Own Carrier Sinn?

Bring Your Own Carrier macht vor allem dann Sinn, wenn ein Unternehmen zur Cloud-Telefonie migriert, aber sich größtmögliche Flexibilität bei der Wahl des Carriers erhalten möchte. Oft bestehen sehr gute, über die Jahre gewachsene Geschäftsbeziehungen zu einem bestimmten Carrier, die durch die Cloud-Migration nicht verloren gehen sollen. Beispielsweise wurden bestimmte Tarife ausgehandelt oder ausgefeilte Rufnummernkonzepte implementiert, die das Unternehmen während oder nach der Migration weiter nutzen möchte.

Weitere Anwendungen für Bring Your Own Carrier sind Szenarien mit der Notwendigkeit, besondere Compliance-Richtlinien oder regulatorische Vorgaben erfüllen zu müssen. Im Extremfall erfordern diese die Nutzung bestimmter Carrier in einzelnen Länder. Ohne BYOC wäre die Cloud-Migration unter Umständen gar nicht realisierbar.

Auch für weltweit agierende, agile Unternehmen, die sich schon alleine aufgrund ihres Wachstums und der benötigten Telefonabdeckung nicht auf einen einzelnen Carrier verlassen können, macht Bring Your Own Carrier Sinn. BYOC bietet ihnen die Freiheit, in beliebige Regionen zu expandieren, ohne Restriktionen hinsichtlich der Telefonservices fürchten zu müssen.

Geschrieben: 12. November 2021
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